Radiergummi als Veranschaulichung - SELK-Kindergarten Zehlendorf: Familiengottesdienst Schaukasten St Marien

Am Sonntag, dem 17. September 2017, feierte die St. Mariengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Zehlendorf im Anschluss an den Beicht- und Abendmahlsgottesdienst gemeinsam mit dem gemeindeeigenen Kindergarten einen Familiengottesdienst. Sie knüpfte dabei an eine Tradition an, die bis zum Ende der Amtszeit von Pfarrer Günther Kuhlmann (bis 1991) Praxis gewesen ist. Kinder aus dem Kindergarten und der Mariengemeinde feierten mit ihren Eltern und teilweise auch mit ihren Großeltern diesen Gottesdienst gemeinsam.

Im Gottesdienst wurden Lieder gesungen, die die Kinder schon im Kindergarten eingeübt hatten. Auch die Predigt war ganz auf die Kinder und den Beginn des neuen Schuljahres abgestimmt. Die verschiedenen alltäglichen Dinge im Schulalltag erhielten eine tiefere Bedeutung. So meinte Pfarrer Markus Büttner beispielsweise, dass man in der Schule auch nicht alles richtig mache und sich Fehler beim Rechnen oder beim Schreiben der Wörter einschleichen würden. Wer dies rechtzeitig bemerke, könne seinen Fehler korrigieren, indem er sein Radiergummi benutze, die falsche Zahl oder das verkehrte Wort wegradiere. Fehler machten auch Menschen auch sonst - nicht nur in der Schule, sondern auch im Verhältnis zu Gott und dem Nächsten. Auch wenn man selbst seine Fehler nicht ausradieren könne, habe Gott eine Art Radiergummi - nämlich Jesus: "Er nimmt unsere Fehler auf sich und radiert sie aus, indem er Schuld vergibt. Wer zu Jesus kommt, dem vergibt er und er darf neu anfangen."

Auch andere alltägliche Schulsachen, wie einen Reflektor, einen Bleistift, einen Anspitzer und eine Brotbox legte der Prediger für die Kinder aus.

Im Gottesdienst wurden auch die Dank- und Fürbittgebete vor Gott gebracht, für die zuvor im Kindergarten von den Kindern wichtige Gebetsanliegen gesammelt und zusammengetragen worden waren.

Jedes Kind wurde persönlich für das neue Kindergarten- und neue Schuljahr gesegnet. Zum Schluss bekamen die Schulanfänger eine Schultüte mit eben den Schulsachen, die Pfarrer Büttner in der Predigt ausgelegt hatte. Alle Kinder bekamen auch ein Holzkreuz geschenkt - zum Zeichen, dass Jesus Christus an ihrer Seite ist. Im Mai kommenden Jahres soll es erneut einen solchen Familiengottesdienst für Kindergarten und Gemeinde geben.

Darwin und der Schöpfer - SELK in Berlin-Wedding: Frühstück (nicht nur) für Frauen Wedding aussen

„Ich halte Darwin für einen der größten Biologen.“ So begann Professor Dr. Siegfried Scherer am vergangenen Samstag in den Räumen der Augustana-Gemeinde Berlin-Wedding der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) seinen Vortrag. Wie bitte!? Das hatte man nicht erwartet von dem bekannten Kritiker der Evolutionstheorie. Aber eins nach dem anderen.

Als Referent beim „Frühstück (nicht nur) für Frauen“ war Scherer eingeladen worden. Er leitet den Lehrstuhl für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München und befasst sich unter anderem mit Evolution. Früh um 9 Uhr kamen mehr als 40 wissenshungrige und kaffeedurstige Menschen aus vielen Berliner und Brandenburger Gemeinden, aus Guben und Hannover. Nach einem ausgiebigen Frühstück breitete sich um 10 Uhr eine erwartungsvolle Stille aus, in die hinein Scherer klarstellte: Ursprungsfragen sind Sinnfragen, sie haben eine religiöse und emotionale Dimension. Das ist der Grund, dass es bei Diskussionen um das Thema Evolution so polemisch zugeht. Doch er bezog klar Position: „Ich mache seit vielen Jahren Wissenschaft, sie stand nie gegen Religion, sondern beide ergänzen sich. Ich möchte, dass wir auf eine respektvolle Weise miteinander umgehen.“

Und dann kam er zurück zu seinem provokanten Eingangssatz: Darwin hat vieles erkannt, was bis heute stimmt. So verändern sich Lebewesen im Lauf der Generationen, Hunde zum Beispiel haben sich durch menschliche Zuchtwahl in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Und bei Darwinfinken kann man beobachten, wie aus einem Urahn 14 verschiedene Arten entstanden sind. Die Fähigkeit zur Mikro-Evolution – eine Entwicklung nur auf Art- und Gattungsebene – ist laut Scherer ein grundlegendes Kennzeichen des Lebens, vom Schöpfer so angelegt.

Wer war eigentlich dieser Darwin? Charles Darwin studierte Theologie. Er lernte, dass Tier- und Pflanzenarten unveränderlich sind. Er hegte anfangs keinen Zweifel daran, dass jeder Teil der Bibel wortwörtlich wahr ist. Doch auf einer Forschungsreise erkannte er, dass Arten durch natürliche Prozesse entstehen. Deshalb bekam er erste Zweifel an der Bibel und ihrer Aussage, dass Gott alles nach seiner Art schuf.

Ähnliche Erfahrungen machte 100 Jahre vor ihm Carl von Linné, ein schwedischer Naturforscher, der die Grundlagen der Taxonomie – Klassifikation von Pflanzen und Tieren – schuf. Auch er bekam Zweifel an der damaligen Lehrmeinung, dass Arten unveränderlich seien. Doch im Gegensatz zu Darwin, der die ganze Bibel infrage stellte, fragte er sich nur: „Habe ich den Bibeltext richtig verstanden?“

Heute existieren verschiedene Ansichten, wie die Welt entstanden ist – mit oder ohne Gott. Doch Scherer machte deutlich: „Ich habe keinen einzigen Menschen getroffen, der gesagt hat, ich bin Christ geworden aufgrund der 6-Tage-Schöpfung – sondern weil er erkannt hat, was Jesus für ihn getan hat!“ Zustimmendes Kopfnicken begleitete diese Aussage.

Jetzt kam der Knackpunkt, die große Streitfrage nach der Makroevolution: „Ist natürliche Evolution unbegrenzt?“ Nein, meinte Linné, höhere Einheiten wie Familien und Ordnungen könnten nicht natürlich entstehen. Doch, meinte Darwin, alles sei zufällig auseinander entstanden. Aber letztlich hatte er keine Vorstellung davon, auf welche Weise aus dem Einfachen das Komplexe entstehen könnte.

Scherer gab zwei Beispiele für bis heute unerklärliche Phänomene: Zunächst nannte er den „Super-Hyper-Ultra-Miniatur-Elektro-Rotationsmotor“: die Ansatzstelle einer Geißel am Darmbakterium E. coli. Die Zelle ist nur 2 μm groß und hat bis zu 15 Geißeln, jede wird von einem „Motor“ angetrieben, der eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 μm/sec erreicht („Stellen Sie sich einen Porsche vor, der mit 800 km/h über die Straße braust!“). Staunen von allen Seiten. Der Ursprung ist unbekannt, es gibt keine evolutionsbiologische Erklärung dafür. Was nun, Herr Darwin?

Sodann führte der Referent an: Seit Miller im berühmten „Ursuppen-Experiment“ einfachste organische Moleküle aus anorganischen Bausteinen synthetisierte, indem er die vermutete Atmosphäre einer jungen Erde nachahmte, sind viele Jahrzehnte vergangen – doch der Entstehung einer Zelle aus unbelebter Materie ist die Wissenschaft noch keinen Schritt nähergekommen. Im Gegenteil, man ahnt erst langsam, wie kompliziert selbst die „primitivste Zelle“ aufgebaut ist. Den Beweis trat Scherer mit dem nächsten Bild auf der Leinwand an: ein Gewirr von Kästchen, Abkürzungen und Pfeilen, das die Stoffwechselvorgänge in der einfachsten denkbaren Zelle beschreibt. Und: „Das ist nur ein kleiner Ausschnitt daraus.“ Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren verblüfft, das hatten sie sich so nicht vorgestellt. Und das alles sollte zufällig entstanden sein, bevor die erste funktionsfähige Zelle vorhanden war?

„Der Stand der Wissenschaft“, so Scherer, „ist dieser: Der Ursprung des Lebens ist unbekannt!“ Und das betonte er noch einmal: „Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ich sage nur, wir wissen es nicht! Und das gilt für alle komplexen biologischen Strukturen.“ Andererseits: „Ungelöste Probleme der Evolutionsbiologie sind kein Beweis für die Existenz eines Schöpfers.“ Die gleichen naturwissenschaftlichen Daten können sehr unterschiedlich interpretiert werden, da spielen Weltanschauung und Erfahrung mit hinein. Ob man die Welt als Zufallsprodukt ansieht oder als Schöpfung, hängt von der „Brille“ ab, die man sich aufsetzt.

Francis S. Collins, ein berühmter Genetiker in den USA, schrieb ein Buch mit dem Titel „The Language of God“ (Die Sprache Gottes). Darin vertritt er die These, dass die DNA die Sprache ist, mit der Gott „durchs Wort“ geschaffen hat.

Scherer erzählte, wie er als Student einen Frosch sezieren und die Organe betrachten musste. „Ich wusste es: Das, was ich sehe, kann nicht Zufall sein!“ Man kann Gott erkennen an der Herrlichkeit der Schöpfung, denn die Natur spricht eine Sprache, die jeder verstehen kann. Aber Gott wohnt nicht in den ungelösten Problemen der Evolutionsbiologie, er ist viel größer.

Kräftiger Beifall brandete auf, als der Referent endete. Und dann tauchten viele Fragen auf, ein reger Austausch begann. Die neueste wissenschaftliche Erkenntnis: Die tiefste Ebene der Materie ist nicht die Energie, sondern die Information. Dazu passt der Anfang des biblischen Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort.“ Über die Schöpfungsgeschichte entbrannte eine lebhafte Diskussion. Dabei stellte der Referent klar: Die Bibel macht keine naturwissenschaftlichen Aussagen, sondern ist Offenbarung. Umgekehrt kann die Naturwissenschaft ethische Fragen nicht beantworten.

Über die Entstehung des Menschen gab es auch verschiedene Meinungen, aber der Mensch besitzt laut Scherer gegenüber den Tieren ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht durch Evolution entstanden sein kann: Er kann beten und eine Beziehung zu Gott haben.

Um 12 Uhr ebbte die Diskussion allmählich ab, nur ganz Neugierige bedrängten den geduldigen Professor weiter mit Fragen. Es war ein gutes, gelungenes Frühstück, so bekräftigen viele hinterher. Über das Thema und den Referenten können sich Interessierte auf www.siegfriedscherer.de umfassend informieren. (SN/MB)

Längst aufgegeben, Anzeigen zu erstatten - Pfarrer Martens zur Situation getaufter Flüchtlinge Pfarrer Dr. Martens
Mit ergreifenden Worten hat sich der Berliner Pfarrer Dr. Gottfried Martens D.D. in einer Predigt zur Situation von zum Christentum übergetretenen Flüchtlingen in Deutschland geäußert. Der Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) hat in seiner 1.500 Kirchglieder zählenden Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz über 1.000 Flüchtlinge getauft, vor allem Iraner und Afghanen. Regelmäßig stünden Christen vor der Tür, die Hilfe brauchten - entweder weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihre Asylanträge ablehne, oder weil sie in ihren Unterkünften von Muslimen zusammengeschlagen wurden, sagte Martens vor seiner Gemeinde: "Wir haben es längst aufgegeben, noch Anzeigen zu erstatten. Es bringt ja doch alles nichts, weil den Christen am Ende doch immer wieder nicht geglaubt wird, weil das ein Thema ist, um das die Verantwortlichen in unserem Land, ja, auch die Vertreter der beiden großen Kirchen, lieber einen ganz großen Bogen machen. Also holen wir noch eine Matratze heraus - alles andere hat ja doch keinen Sinn."

Martens berichtete ferner von einem zum Christentum konvertierten muslimischen Iraner, der in Norwegen Asyl beantragt habe. Er sollte von dort, so Martens, mit der Begründung, er könne doch in seinem Heimatland seinen Glauben verleugnen, wieder zurückgeschickt werden. Dazu der Geistliche: "Und nun bittet er uns um Hilfe, bittet uns um Aufnahme. Ein verfolgter Christ mitten in Europa: Was für ein Irrsinn!"

Ähnlich sei die Situation beim Einsatz gegen Abtreibung. Am 16. September finde zwar in Berlin der "Marsch für das Leben" statt, aber "bei denen, die Verantwortung tragen in unserem Land, ist das längst überhaupt kein Thema mehr, erst recht keines, das man jetzt im Wahlkampf erwähnen sollte." Tröstlich seien in dieser Situation die biblischen Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 29, Verse 17 bis 24. Bereits zur Zeit des Propheten habe es "Taubheit gegenüber dem Wort Gottes gegeben", und es seien diejenigen unterdrückt worden, "die keine Stimme haben, keine Möglichkeit, für sich selber einzutreten, auch nicht für das eigene Lebensrecht". Martens weiter: "Wir warten auf das große Eingreifen Gottes."

Er werde eine neue Welt schaffen und auch denen, die wegen ihres Glaubens im "angeblich christlichen Europa" angefeindet und abgelehnt werden, die Tränen abwischen. Vor Jesus Christus müssten sich dann alle verantworten - auch die, die "jetzt noch hier so vielen Christen ihren christlichen Glauben abgesprochen haben" und "die angesichts der Tötung so vieler ungeborener Kinder in unserem Land geschwiegen haben aus Feigheit und Gleichgültigkeit". (SN/MB)

Gelebte PartnerschaftMariengemeinde

Am 13. August besuchte Propst Andris Kraulins (Foto: links) von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (ELKL) mit Gliedern seiner St. Johannesgemeinde Pinki die Mariengemeinde der SELK in Berlin-Zehlendorf. Im Gottesdienst wirkten sowohl Propst Kraulins als auch der Organist der Johannesgemeinde mit. Anschließend war beim Grillen Gelegenheit zu Begegnungen und Gesprächen. Die SELK steht mit der ELKL in geordneten partnerschaftlichen Beziehungen. (SN)

SchöneBischof Dr. Schöne bei kanadischer Schwesterkirche
Vom 5. bis zum 12. September wird SELK-Bischof i.R. Dr. Jobst Schöne D.D. (Berlin) sich am Theologischen Seminar der kanadischen SELK-Schwesterkirche in St. Catharines aufhalten und unter anderem drei Vorträge halten über „Luther ohne Fake News“, „Liturgie als Bekenntnis des Glaubens“ und „Wie Geistliches Amt und lutherische Identität verknüpft sind“. Gottesdienste in kanadischen Gemeinden und Begegnungen mit der Fakultät und der Studentenschaft sind ebenfalls vorgesehen. (SN)

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