Vorstand des ÖRBB bestätigt – SELK beteiligt Emmanuel Sfiatkos komp

Die Ratsleitung des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB) hat bei ihrer konstituierenden Sitzung für die Amtsperiode 2018–2021 den bisherigen Vorstand in seinem Amt bestätigt. Vorsitzender des ÖRBB ist weiterhin Archimandrit Emmanuel Sfiatkos von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Propst Dr. Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Beide wurden einstimmig und ohne Enthaltung in Ihrem Amt bestätigt. Dem Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg gehören 32 Mitgliedskirchen an, u.a. auch die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK). Sie wird vertreten durch den Superintendenten des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg, Peter Brückmann. (MB)

Unzählige krasse Fehlentscheidungen des BAMF - Pfarrer Dr Martens d komp
SELK: Pfarrer Gottfried Martens mit erneutem Negativerleben

"Gestern saß ich wieder einmal im Verwaltungsgericht", schreibt Dr. Gottfried Martens D.D., Pfarrer der Dreieinigkeits-Gemeinde Berlin-Steglitz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), auf der Steglitz-Lutherisch-Facebook-Seite seiner Gemeinde am 21. September 2018. Martens arbeitet in seiner stark wachsenden Gemeinde schwerpunktmäßig mit Flüchtlingen: "Woche für Woche müssen dort die unzähligen krassen Fehlentscheidungen behandelt werden, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bezug auf konvertierte christliche Flüchtlinge unter den Asylbewerbern getroffen hat", erläutert der Pfarrer.

Am Ende der gestrigen Gerichtsverhandlung habe der Richter klar zu erkennen gegeben, dass er von der Ernsthaftigkeit der Konversion von Martens' Gemeindeglied überzeugt sei. Doch die Vertreterin des BAMF habe weiter darauf bestanden, dass der Betreffende nur aus asyltaktischen Gründen konvertiert sein könne, und beantragt, die Klage abzuweisen. Der Richter habe sie gefragt, woran sie das denn festmache, dass er es mit seinem Glauben nicht ernst meine - keine Antwort. Er habe sie dazu aufgefordert, Fragen an das Gemeindeglied zu stellen, damit sie daran deutlich machen könne, dass er es nicht ernst meine - keine Reaktion. "Stattdessen stellte sie nur eine Frage an mich: Wie viel Geld müssen Ihre Gemeindeglieder an die Gemeinde zahlen?", schildert Martens; dies sei der Horizont derer, die im BAMF über die Abschiebung von konvertierten Christen in ihr Heimatland zu entscheiden hätten: "Konvertierte Christen sind nur von den Kirchen rekrutiert worden, damit diese sich an ihnen finanziell bereichern. Und dafür sind dann die Kirchenvertreter entsprechend auch bereit, das BAMF und die Gerichte zu belügen ...", schlussfolgert Martens mit Ironie - "So schützt das Innenministerium Deutschland vor den ,unabsehbaren Konsequenzen' (Volker Kauder), die ein Verbleib von konvertierten christlichen Flüchtlingen in Deutschland hätte ..."

Martens konstatiert am Ende seines Eintrags, dass es glücklicherweise auch andere Erfahrungen gebe: "Wie gut, dass es immer noch einige Richter gibt, die sich diesem Treiben von Politik und BAMF entgegenstellen!" (MB/SN)

"Wohl eine der letzten Holocaust-Überlebenden der SELK" Pass G
Gerda Gentsch verstorben

Im Alter von 97 Jahren ist am Samstag, dem 18. August 2018, Gerda Gentsch verstorben. Sie war "wohl eine der letzten Holocaust-Überlebenden der SELK", so ihr Gemeindepfarrer Markus Büttner, in dessen Evangelisch-Lutherischer Mariengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Zehlendorf Gerda Gentsch ihre geistliche Heimat gefunden hatte.

Die gebürtige Hamburgerin zog mit ihrer Familie 1927 nach Berlin um. Im Alter von 11 Jahren veränderte sich ihre Leben entscheidend: Januar 1933 habe für sie einen gravierenden Einschnitt bedeutet, der Belastungen nach sich gezogen habe, schreibt sie in einem Lebenslauf. Seinerzeit eröffnete ihr Vater ihr, dass er jüdischen Glaubens sei. Was auf ihre Familie und sie "für unglaubliche und schreckliche Schicksalsschläge" zukommen würden, habe sie zu der damaligen Zeit weder verstehen noch ermessen können. "Aber die ersten Belastungen bekamen meine Mutter und ich bereits am 1. April 1933 - dem sogenannten Boykotttag - zu spüren. Ich wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause mit Steinen beworfen und angespuckt, meine Mutter erhielt auf offenen Postkarten die übelsten Beschimpfungen, natürlich anonym."

Ihre Eltern hätten dann eine junge Frau eingestellt, die das Kind morgens zur Schule gebracht und mittags wieder abgeholt habe. "Alle Schulfreundinnen zogen sich von mir zurück, ich war plötzlich völlig allein und isoliert. Aus dem Zehlendorfer Sportverein 1888 mußte ich nach der Eingliederung in die Hitlerjugend austreten. So wurde unentwegt unser bisher so harmonisches Familienleben und meine wohlbehütete Kindheit durch Schikanen und später für meinen Vater durch berufliche Schwierigkeiten zerstört."

Obwohl sich ihr Vater "hauptsächlich als Deutscher" gefühlt habe, der auch den Ersten Weltkrieg als Soldat mitgemacht hatte, erwog die Familie angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten und neuen Gesetzen ernsthaft, ins Ausland zu emigrieren. Jedoch seien dazu Bürgen oder ausreichende Devisen für ein Einreisevisum erforderlich gewesen.

"1938 erlebte ich nochmals einen erschreckenden Einschnitt in meinem Leben, als zunächst meine Mutter am 13. Juni verhaftet wurde, da mein Vater nicht zuhause war. Bei seiner Rückkehr verhaftete man ihn, meine Mutter wurde wieder freigelassen", schreibt Gerda Gentsch. "Einige Zeit später wurde uns mitgeteilt, daß mein Vater in das KZ Buchenwald transportiert worden sei, wo er bis zum 23. Dezember 1938 war, unter der Auflage sich täglich beim Polizeirevier bis zu unserer Ausreise am 5. Februar 1939, zu melden." Ihre Mutter hatte inzwischen die Wohnung aufgelöst, die nicht beschlagnahmten Sachen verkauft und Schiffspassagen nach Shanghai gebucht. China war zu der Zeit das einzige Land, für das man weder ein Visum noch einen Bürgen benötigte.

Anfang März 1939 erreichte die Familie China, wo ihr Leben von Krankheiten, finanziellen Schwierigkeiten und schwierigen klimatischen Verhältnissen geprägt war. 1942 verstarb der Vater nach langer, schwerer Krankheit in Shanghai.

"Nach dem Ausbruch des Krieges Amerika/Japan wurde es auch für deutsche Emigranten in Shanghai schwieriger", so Gerda Gentsch. "Die Japaner zwangen alle deutschen und österreichischen Emigranten, die inzwischen für staatenlos erklärt worden waren, in ein Getto, das man nur mit einem besonderen Passierschein verlassen durfte. Es war eine schlimme Zeit - voller Gewalttaten und Schikanen der japanischen und koreanischen Besatzungstruppen."
Als im Frühjahr 1945 in Deutschland durch die totale Kapitulation der Krieg beendet worden ist, war es auch für uns in Shanghai nur noch eine Frage der Zeit, dass auch dort die Kämpfe bald beendet sein würden.

"Im August 1945, nach dem Abwurf der ersten Atombomben über Japan - so schrecklich dies auch gewesen sein mag -, wurde dann auch der Krieg zwischen China/Japan und Amerika beendet. Doch lange sollte das inzwischen wieder normale Leben für uns dort nicht dauern. Das Nahen der kommunistischen Truppen unter Mao um Shanghai bedrohte nicht nur die Chinesen, sondern auch die Europäer. So machten wir von dem Angebot der dortigen Hilfsorganisationen Gebrauch, zumal meine Mutter an einer schweren Tropenkrankheit litt, nach Deutschland zurückzukehren."

1947 kehrten Mutter und Tochter nach Berlin zurück und fanden eine Wohnung im Stadtteil Zehlendorf. "Ich bekam aufgrund meiner guten englischen Sprachkenntnisse einen guten Job bei den Amerikanern, wo ich dann auch bis zu meinem Rentenalter 1981 in den verschiedenen Abteilungen arbeitete", heißt es im Lebenslauf der Verstorbenen.

1959 heiratete Gerda Gentsch ihren Mann, nachdem eine erste Ehe in jungen Jahren auseinandergegangen war. Rudolf Gentsch verstarb 1988.

Ihr Gemeindepfarrer Markus Büttner betreute Gerda Gentsch bis zuletzt seelsorglich und feierte regelmäßig Krankenabendmahlsgottesdienste mit ihr. "In der Gemeinschaft unserer Kirche fühle mich sehr geborgen und habe meinen inneren Frieden gefunden", schreibt sie am Ende ihres Lebenslaufs. (MB/SN)

Theologen-Kritik: "BILD" nennt Taufe eine neue Asyl-"Masche" - Pfarrer Dr. Martens a
Pfarrer Dr. Martens widerspricht: Bericht zeugt von Unkenntnis der Ablehnungspraxis

Auf heftigen Widerspruch von Theologen ist ein Bericht von "BILD" darüber gestoßen, wie abgelehnte Asylbewerber versuchen, mit Tricks und Verbrechen einer Abschiebung zu entgehen. Darin wird als eine "neue Masche" der "Asylgrund Taufe" genannt. Dazu heißt es: "Die Dreieinigkeitsgemeinde in Berlin-Steglitz hat mehr als 1.700 Kirchglieder. 80 (!) Prozent sind Flüchtlinge, die vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten sind. Eine Konversion führt fast immer zur Schutzgewährung, wenn deshalb im Heimatland Verfolgung droht." Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) prüfe diese Fälle nun sehr genau.

Scharfe Kritik an der Darstellung übt der Pfarrer der zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehörenden Gemeinde, Dr. Gottfried Martens D.D., der die meisten Konvertiten in ihren Reihen - vor allem Afghanen und Iraner - selbst getauft hat. Er schrieb auf Facebook: "Man merkt, wie die Stimmung in unserem Land kippt. Noch vor wenigen Monaten hatte die BILD-Zeitung in einer sehr fairen Weise über die skandalöse Abschiebepraxis des BAMF gegenüber konvertierten Christen berichtet." Nun springe sie auch "auf den Zug der rechtspopulistischen Hetze gegen konvertierte Christen auf". Dies sei "inhaltlich natürlich vollkommener Schwachsinn, der von völliger Unkenntnis der tatsächlichen Ablehnungspraxis zeugt".

Hier werde "Stammtisch statt Journalismus" betrieben: "So tief kann man sinken ..." Martens hatte wiederholt die Anhörungen von christlichen Flüchtlingen im BAMF kritisiert. Die zuständigen Mitarbeiter hätten oft wenig Wissen über den christlichen Glauben und die Situation der Christen im Iran und in Afghanistan. Manche kennten nicht einmal den Unterschied zwischen dem Glaubensbekenntnis und dem Vaterunser. Wie Martens im Februar sagte, wurden in seiner Gemeinde bereits "mehrere Hundert" Flüchtlinge abgelehnt, da sie nach Einschätzung des BAMF nur aus asyltaktischen Gründen Christen geworden seien, um ihre Abschiebung zu verhindern. Selbst seine Aussagen würden angezweifelt: "Ich sehe das Leid dieser Menschen, die seit vielen Jahren Christen sind, sich in Gottesdiensten und Arbeit mit Kindern einbringen und dann abgeschoben werden sollen." Martens ist seit 2013 Pfarrer in Berlin-Steglitz.

Kritik an der Darstellung in "BILD" übte auch der landeskirchliche Pastor Stephan Dreytza (Osterholz-Scharmbeck bei Bremen) in einem Brief an die Zeitung. Es sei "Unfug und Rufschädigung", die Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz der SELK als Beispiel dafür zu nennen, wie sich Migranten einen Aufenthalt in Deutschland erschleichen wollen. Wer sich dort taufen lasse wolle, müsse vorher an einem Unterricht mit mindestens zwölf Treffen und Taufprüfungen teilnehmen. Es sei mit Sicherheit leichter, sich in einer Landeskirche taufen zu lassen, als in der Steglitzer SELK-Gemeinde, so Dreytza. (SN/MB)

Zehlendorfer Gemeindefahrt nach Lettland – Ein Reisebericht KircheZehlendorfaussen

Ereignisreiche Tage liegen hinter der Reisegruppe, die bei der Gemeindefahrt unserer St. Mariengemeinde nach Lettland dabei waren. Am Dienstag, dem 3. Juli, startete um 8.50 Uhr die Maschine von Air Baltic von Berlin-Tegel in Richtung Riga. Nach etwa ein dreiviertel Stunden landeten wir mit 16 Teilnehmern pünktlich auf dem Flughafen in Riga. Erwartet wurden wir schon von Pfarrer Andris Krauliņš, Pastor der Evangelisch-Lutherischen St. Johannesgemeinde in Piņķi, einem Vorort von Riga, der uns in perfektem Deutsch willkommen hieß. Neben seiner Aufgabe im Gemeindepfarramt ist er zuständig für die Außenbeziehungen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (ELKL) zu anderen Kirchen und als solcher auch Mitglied der Kirchenleitung seiner Kirche. Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) und die ELKL sind in einer geregelten Partnerschaft miteinander verbunden. Zudem ist Pfarrer Krauliņš ausgebildeter Spiritual seiner Kirche. Nun ist ihm auch die Rolle als Reiseleiter vor Ort zugefallen. So hat er für uns Taxis organisiert, die uns vom Flughafen ins Hotel brachten. Nachdem ein jeder sein Hotelzimmer beziehen konnte, gab es eine erste Stadtführung mit Pfarrer Krauliņš durch die Hansestadt Riga. Spuren deutscher Geschichte konnten wir an zahllosen historischen Gebäuden entdecken.

Der Mittwoch war geprägt von einer Führung durch das Automobilmuseum Riga. Trotz anfänglicher Skepsis waren wir doch vom Besuch in diesem Museum begeistert. Nach dem Mittagessen fuhren wir in die neue Nationalbibliothek. Herz, Seele und Gedächtnis der lettischen Kultur sind in einem Gebäude vereint. Nicht nur die zahllosen Werke lettischer Literatur sind dort zu finden, sondern auch die Architektur zog uns in den Bann. Kompetent durch die Stockwerke geführt, konnten wir zum Abschluss in einem Raum unsere Andacht feiern. Abends hörten wir ein beeindruckendes Konzert in der alten Gertruden-Kirche, einer Gemeinde unserer lettischen Partnerkirche. Geistliche Lieder aus dem Bereich der russisch-orthodoxen Kirche wurden von verschiedenen Chören über zweieinhalb Stunden in hervorragender Qualität zu Gehör gebracht und rundeten den Tag ab.

Mit zwei angemieteten Kleinbussen starteten wir am Donnerstag früh in den Tag. Unsere erste Station war die St. Annenkirche, die zum Pfarrbezirk von Pfarrer Krauliņš gehört, wo wir unsere Morgenandacht feierten. Nach einer Führung durch ein beeindruckendes neues Haus, gebaut aber aus ausschließlich alten und schon in anderen Gebäuden verwendeten Materialien, bekamen wir eine Führung durch die Bäckerei Lāči. Überrascht wurden wir davon, dass wir eingeladen wurden, selbst Hand anzulegen und Brot zu backen. Gesagt, getan! In Lebensmittelanzüge gehüllt wurden wir in die Backstube geführt und haben jeder unser eigenes Brot gebacken. Wir hatten viel Spaß. Nach dem Mittagessen fuhren wir in das Schloss Rundāle. Es ist ein beeindruckendes Barockschloss in der lettischen Region Semgallen, 10 Kilometer westlich der Stadt Bauska gelegen. Es wird oft als das Versailles des Baltikums bezeichnet. Pfarrer Krauliņš führte diejenigen, die das Schloss besichtigen wollten, durch die Räume, während ein anderer Teil der Gruppe die Seele im Rosengarten baumeln ließ. Der Bau des Schlosses wurde von der russischen Zarin Anna Iwanowna veranlasst und sollte als Sommerresidenz des kurländischen Herzogs Ernst Johann Biron dienen. Mit dem Entwurf wurde der russisch-italienische Architekt und Baumeister am Zarenhof Bartolomeo Francesco Rastrelli beauftragt, der bereits die Pläne für den Winterpalast der Eremitage in St. Petersburg erstellt hatte. Der Grundstein wurde 1735 gelegt, die Bauarbeiten dauerten zunächst bis 1740. Der Schlosspark wurde ebenfalls nach Rastrellis Vorgaben im französischen Stil angelegt und mit 328.185 Linden bepflanzt. Anschließend fuhren wir nach Bauska, um dort zu Abend zu essen, um dann gestärkt den Rückweg nach Riga anzutreten.

Der Freitag stand im Zeichen des Doms zu Riga. Morgens um 8.00 Uhr feierten wir dort im Hohen Chor einen Gottesdienst in lettischer Sprache mit. Kaum ein Wort verstehend wussten wir uns in der lutherischen Liturgie doch gut aufgehoben. Anschließend führte uns Pfarrer Krauliņš durch den Dom, welcher der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands mit ihrem Erzbischof Jānis Vanags als Gottesdienstort dient. Nach der Führung durch den beeindruckenden Dom zu Riga ging die Reisegruppe in den Wehrmanngarten. Anlässlich des 100-jährigen Jahrestages der Staatsgründung gab es dort zahllose, kostenfreie Konzerte, die auf die Zuhörer warteten. Der Tag begann im Dom und endete dort. Abends um 22.00 Uhr lauschten einige einem Konzert lettischer Lautenspieler, das auch vom lettischen Fernsehen übertragen wurde.

Am Samstag starteten wir mit unseren zwei Minibussen in Richtung Kap Kolka zwischen der Rigaer Bucht und der offenen Ostsee. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt trafen wir dort ein und ließen es uns am Strand gut gehen. Nach dem Mittagessen fuhren wir ins nahegelegene Mazirbe. In der dortigen Evangelisch-Lutherischen Kirche feierten wir zunächst eine Andacht. Pfarrer Krauliņš führte uns in die Geschichte des Ortes und der dortigen kirchlichen Einrichtung ein. Pfarrer Kārlis Irbe, Gemeindepastor der Ortsgemeinde und Leiter des kirchlichen Erholungs- und Tagungseinrichtung stellte das Projekt der ELKL vor. Vor allem dient der Ort zur stillen Einkehr für Pfarrer unter seelsorgerlicher Begleitung eines Spirituals, ist aber auch offen für Laien, die Ruhe und seelsorgerliche Begleitung wünschen. Auch Familienfreizeiten und Klausurtagungen von Pfarrkonventen und Kirchenvorständen sind dort möglich. Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche hat sich finanziell mit 20.000 EUR an diesem Zentrum beteiligt. Dieses Geld wird zum Ausbau von Gruppenräumen verwendet. Diese Zuwendung ist willkommen, da die Landeskirchen aufgrund der Rücknahme der Frauenordination finanzielle Mittel für die lettische Kirche gestrichen hat. „Richten Sie Bischof Voigt unseren herzlichen Dank aus!“, bat Pfarrer Kārlis Irbe. Nach dem Besuch des geistlichen Rüstzentrums in Mazirbe fuhren wir zur Weinverkostung und durften von einigen edlen Tropfen kosten.

Am Sonntag fuhren wir zum Gottesdienst in die Evangelisch-Lutherische St. Johannesgemeinde nach Piņķi (Pinkenhof). Von deutscher Vergangenheit zeugten der alte Kelch und die Taufschale mit Widmung in deutscher Sprache. Der Gottesdienst, der in deutscher und lettischer Sprache gehalten wurde, war von Pfarrer Krauliņš vorbereitet worden. Im Gottesdienst predigte Pfarrer Markus Büttner. Bischof i.R. Dr. Jobst Schöne D.D. wirkte ebenfalls mit. Nach dem Gottesdienst grillte der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Herr Ritvars Heniņš, für uns. Viele Köstlichkeiten machten jedem Hunger und Durst schnell ein Ende. Abends nahmen wir am großen Abschlusskonzert des Sängerfestes teil. Dank der Sekretärin von Pfarrer Krauliņš, die Karten besorgt hatte, konnten wir durch dieses Konzert einen tiefen Blick in die Seele der Letten gewinnen. Frauen und Männer in Trachten sangen mehrstimmige Chorsätze. Obwohl es kein geistliches Konzert war, erhoben sich die fast 40.000 Besucher beim Vaterunser, das von über 15.000 Sängern vorgetragen wurde. Komponiert von Lucija Garuta (1902-1977) aus der Kantate, Gott, dein Land brennt, aus dem Jahr 1943, wurden wir mit hineingenommen in dieses Gebet. Auch die Nationalhymne, Gott, segne Lettland, wurde gesungen. Der amtierende Staatspräsident Raimonds Vējonis hielt eine Ansprache. Auch wenn wir zunächst die Erheiterung nicht verstehen konnten, so wurden wir später aufgeklärt: Er wünschte den Konzertbesuchern kein schönes Sängerfest, sondern ein schönes Weihnachtsfest. Weit nach Mitternacht kamen wir im Hotel an.

Der Montag war für eigene Erkundungen frei. Abends lud uns der Kirchengemeinderat der Evangelisch-Lutherischen St. Johannesgemeinde in Piņķi zum Abendbrot ein. Das mehrgängige Menü im Restaurant eines Gemeindegliedes schmeckte uns allen ausgezeichnet. Während des Essens erläuterte der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Herr Ritvars Heniņš, die Gemeindestruktur. Anders als in Deutschland gibt es neben dem Pastor als geistlichem Leiter der Gemeinde einen „weltlichen“ Leiter. Letzterer kümmert sich um alle Belange, die nicht geistlicher Natur sind, wie Grundstücksverwaltung, Friedhofsverwaltung, Finanzen, Bau und Sanierung von Gebäuden. Der Pfarrer soll frei sein, sich ganz auf seine geistlichen Aufgaben zu konzentrieren. In einem zweiten Teil des Gesprächs wurde die Struktur der Gesamtkirche erläutert, die sich auch deutlich von der in der SELK unterscheidet. Laien sind für die weltlichen Dinge verantwortlich, während die Geistlichen die Verantwortung für den Glauben tragen. Das höchste Gremium ist die Synode, in der alle 140 Pfarrer und alle Gemeinden mit je zwei Laienvertretern mit Sitz und Stimme vertreten sind. So kommt die alle vier Jahre tagende Synode auf etwa 400 Synodale. Dadurch ist gewährleistet, dass jede Gemeinde mit ihrem Pfarrer gehört und eingebunden ist. Neben der Synode ist die Kirche in drei Bistümer aufgeteilt. Je ein Bistum wird von einem Bischof, bzw. das Bistum Riga vom Erzbischof, geleitet. Neben der Kirchenleitung gibt es noch das Bischofskollegium. Die Kirchenbezirke werden von je einem Propst geleitet, der auch zur Kirchenleitung gehört. In einem abschließenden Gespräch erklärten uns die Schwestern und Brüder, vor welchen Herausforderungen die lettische Gesellschaft steht, aber auch wie sich das Verhältnis von Kirche und Staat entwickelt. Mit Dank für die Gastfreundschaft verabschiedeten wir uns von unseren lettischen Freunden und Geschwistern im Glauben und Bekennen. Am Dienstag traten wir den Rückflug an und landeten gegen 14.00 Uhr auf dem Flughafen in Tegel. Voller dankbarer Erinnerungen an wundervolle Tage verabschiedeten wir uns voneinander. (MB)

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