Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apostelgeschichte 5,29

„Adel verpflichtet!“ heißt es in einem Sprichwort. Wir sagen es, wenn an eine Person mit angesehener gesellschaftlicher Stellung oder einem bestimmten Ruf entsprechende Erwartungen gestellt werden. Christsein verpflichtet, so könnte man es wohl übertragen. Denn dieses Wort aus der Bibel führt an die Anfänge des Christentums. Die Christen sind in Jerusalem in der Minderheit. Argwöhnisch werden sie von der religiös-politischen Elite beäugt. Die Wundertaten der Apostel nach Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn sorgen bei ihnen für Verärgerung und Angst. Getrieben von Eifersucht und Neid legen sie Hand an die Apostel und werfen sie ins Gefängnis. Gott aber greift ein, verhilft ihnen zur Freiheit. Die Apostel aber kommen ihrem Auftrag nach, das Volk zu lehren. Kurzerhand werden sie abgeholt und vor den Hohen Rat gestellt. Auf das Strengste haben sie verboten, vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu sprechen und das Volk zu lehren. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, platzt es aus Petrus heraus. Mit dem Leben haben die Apostel später bezahlt, weil sie Gott mehr gehorchten als den Menschen.

Christsein verpflichtet! Denn als Christ ist man in der Heiligen Taufe von Gott geadelt worden. Zuvor schon von ihm wunderbar geschaffen, wird die Beziehung Schöpfer – Geschöpf auf eine ganze neue Grundlage durch die Heilige Taufe gestellt. Durch das Taufwasser ist die Beziehung Vater – Kind geknüpft. Jesus Christus ist das Fundament und der Heilige Geist derjenige, der dieses Band lebendig hält. Durch die Taufe von Gott geadelt sein, Kind und Erbe des ewigen Lebens zu sein, führt in die Verantwortung, auch als Christ sein Leben zu gestalten. Die Beziehung zum Dreieinigen Gott will gelebt sein. So stellt sich besonders in Konfliktsituationen immer wieder die Frage, wem ein Christ verpflichtet ist und wie er sich positioniert. Gewiss ist es bequemer, ungefährlicher, komfortabler mit dem Strom der Zeit, der Ideologie, der Mehrheitsmeinung zu schwimmen. Wer auf der Meinungswelle surft, eckt nicht an. Jedoch ist der Mensch dann ein von Meinungen und anderen Menschen gemachten Entwicklungen abhängig. Er treibt eben in die Richtung, in die es alle zieht. Wer sich Menschen verpflichtet und ihnen folgt, kann mindestens enttäuscht werden, vielleicht sogar Schlimmeres. Denn das hat die Geschichte, besonders unseres Volkes, ein- und nachdrücklich gezeigt. Führerwahn und Menschenvergötterung gepaart mit Erfolgsanbetung haben in die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts geführt mit Abermillionen von Toten und Ermordeten. Allerschlimmstenfalls endete der Gehorsam Menschen gegenüber in jener Katastrophe.

Christsein verpflichtet! Die Antwort des Petrus, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen, gibt durch alle Zeiten den Christen und der ganzen Kirche einen festen Orientierungspunkt. Wer Gott gehorcht und ihm folgt, richtet sich nach dem von Gott festgelegten Koordinatensystem des christlichen Glaubens. Gott gehorsam zu sein, heißt seinem Willen gemäß sein Leben zu gestalten. Ausdruck findet der Gehorsam in den Geboten. Zusammengefasst werden diese im Doppelgebot der Liebe: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten, wie dich selbst. (Lukas 10,27) Weil der Dreieinige Gott sich in der Heiligen Taufe mit den Seinen verbunden hat, er diese Beziehung zwischen ihm und uns geknüpft hat, erwächst eine verantwortete Verpflichtung. Als Christ ist man Gott verpflichtet. Es ist die Antwort der Glaubenden auf das, was er für uns getan hat. Diese verantwortete Verpflichtung als Aufgabe Gottes Willen gemäß zu leben, heißt eben auch, Gott und den Nächsten zu lieben. Allem, was dem Willen Gottes widerspricht, muss ein Christ widersprechen und sich widersetzen. Denn seine Verpflichtung gilt kraft seiner Taufe Gott und nicht Menschen. Diese Verpflichtung Gott gegenüber kann uns als Kirche und als einzelner Christ in Widerspruch zu vorherrschenden Meinungen innerhalb der Gesellschaft bringen. In manchen Gegenden dieser Erde müssen es Christen spüren, was es heißt, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Anschläge gegen koptische Christen in Ägypten, Mord und Vertreibung an Christen in Syrien und im Irak durch den islamischen Staat, Verhaftungen von Christen in Nordkorea, Untergrundgemeinden im Iran. Den Berliner Pastor Dietrich Bonhoeffer führte sein Gehorsam Gott gegenüber 1945 an den Galgen im Konzentrationslager Flossenbürg. Auch wenn es nicht immer auf Leben und Tod geht, so gibt es in unseren Tagen bei uns die Frage, wo wir Gott mehr zu gehorchen haben als den Menschen.

Christsein verpflichtet! Auch der Augustiner Mönch Martin Luther beugt sich nicht und legt sich mit Kirche und Kaiser an. „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders!“, soll er gesagt haben. Wenn wir in diesem Jahr das 500-jährige Reformationsjubiläum feiern, dann gehört dies gewiss mit dazu, sich als Christ erkennen zu geben und zu bekennen. Denn: Christsein verpflichtet!

Herzliche Grüße – Ihr Pfarrer Markus Büttner

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